Reizende Stiche

Akupunktur wird immer beliebter. Leider zahlen die Krankenkassen bisher nur in zwei Fällen. Da die Akupunktur beachtliche Erfolge zeigt, muss sich dies aber bald ändern.

Zum Beginn gleich einmal eine Erfolgsmeldung: Im Kampf gegen den Heuschnupfen zeigt die Behandlung mit den Nadeln erste Erfolge. An der Jiaotong-Universität Shanghai ( China ) haben Wissenschaftler in einer Übersichtsarbeit 13 Studien ausgewertet. Dabei kommen sie zu dem Ergebnis: Für Pollenallergiker kann die Akupunktur eine sichere und wirksame Therapieoption sein.

Dr.Bettina Hauswald, seit 30 Jahren Fachärztin für HNO und Allergologie an der Universitätsklinik Dresden, ist fest davon überzeugt, dass die fernöstliche Heilmethode tatsächlich wirkt.           “ Zuerst muss aber eine gute fachgerechte Diagnostik erfolgen und die Ursache entsprechend behandelt werden „, meint die Medizinerin.


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Leider zahlen die Krankenkassen die Akupunktur aber nur für die Behandlung von Rückenschmerzen und Kniegelenkarthrose; und dies nur aufgrund der guten Erfolgsnachweise. Für Dr. Dominick Irnich, Schmerzforscher an der Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München, steht fest, dass bei der Schmerztherapie die Akupunktur eine der am besten untersuchten Verfahren ist:                  “ Besonders bei der Behandlung von myofaszialen Schmerzen, die häufig auch Ursachen für Rückenschmerzen sind, haben wir mit Akupunktur sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Unterstützend biete sich die Therapie aber bei vielen verschiedenen Schmerzerkrankungen an.

Bettina Hauswald führt über die Wirkung der Akupunktur mit ihrem Team derzeit mehrere Studien durch. Dies besonders um die Krankenkassen auch von der Wirkung bei anderen Leiden zu überzeugen. Die Dresdner Wissenschaftler möchten beispielsweise herausfinden, inwieweit Menschen mit einer Birken-, Gräser-oder Milbenkot-Allergie von der Methode profitieren oder wie gut die Nadeln Beschwerden wie etwa Zungenbrennen, Riechstörungen oder Schwindel mildern.

Wirkung noch nicht gänzlich geklärt

Es ist bisher noch nicht ausreichend erforscht, weshalb die Akupunktur hilft. Aber in China ist sie  eine seit Jahrtausenden Bestandteil der praktizierten chinesischen Medizin. Sie geht davon aus, dass energetische Leitbahnen ( Meridiane ) existieren, die sich durch den ganzen Körper ziehen. Entlang der Meridiane sollen Nadeln bestimmte sogenannte Triggerpunkte stimulieren und damit eine Blockade lösen :  Die Selbstheilungskräfte des menschlichen Körpers werden durch die Lebenserergie Chi  wieder aktiviert. “ 386 Akupunkturpunkte sind bis heute nachgewiesen. Dort ist die Haut auch empfindlicher, der Patient spürt einen leichten dumpfen Druck „, erklärt Expertin Hauswald. Da die Meridiane aber noch nicht nachweisbar sind, ist dieses traditionelle Erklärungsmodell für Naturwissenschaftler kaum ausreichend.

Dennoch, Forscher kennen mittlerweile zahlreiche nachweisbare Effekte. Jedes setzen der Nadel erzeugt einen Reiz: “ Durch das Drehen und Bewegen der Nadel an der Einstichstelle werden Bindegewebsfasern aktiviert. Der Reiz wird sofort weitergeleitet, was auch auf Rückenmarksebene zu messbaren Reaktionen und Gegenreaktionen des Körpers führt „, erklärt Irnich. Es wird die Schmerzhemmung und ebenso die Schmerzwahrnehmung beeinflusst. Durch einen radiologische Untersuchungen des Gerhirns konnte dies belegt werden.    “ Es gibt auch gute Hinweise, dass Akupunktur die Umbauprozesse, die der chronische Schmerz in der Großhirnrinde verursacht, rückgängig machen kann „, so der Münchner Schmerzforscher.

Da regt sich was im Körper

Es wurden auch noch weitere nachweisbare gefunden: So führen die Nadelstiche zu einer Ausschüttung von Botenstoffen, Endorphinen und Vorstufen von Kotisol. Selbst ein regulierender Einfluss auf das Hormonsystem konnte mittlerweile belegt werden.

“ Und in der Hand eines geschulten Arztes ist die Akupunktur auch sicher „, meint Bettina Hauswald. “ Die einzige Nebenwirkung kann mal ein blauer Fleck sein. “ Allerdings müsse man “ , so Schmerzforscher Irnich, “ die Indikation immer genau überprüfen:  „      “ Manchmal sind Medikamente oder auch eine Physiotherapie sinnvoller.“

Allergologin Hauswald sieht das genauso: “ Bei Heuschnupfen kann Akupunktur durchaus hilfreich sein  – aber erst dann, wenn eine moderne Immuntherapie erfolglos geblieben ist.“

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