Positiver Umgang mit Partner, Familie und Freunden

Die Angehörigen befinden sich meist in einer schwierigen Situation

Meist fühlen sich Freunde und Angehörige von Menschen mit depressiver Stimmung für die Erkrankten verantwortlich. Wenn der Betroffene nicht auf eine liebevolle Zuwendung reagiert. reagieren die meisten  irritiert und verunsichert. Manche reagieren auch ärgerlich, weil sie die Missachtung als Verachtung seitens des depressiven Menschen empfinden. Dadurch erreichen sie aber nur, dass sich der Depressive weiter zurückzieht. Übertreiben Sie als Bezugsperson die Fürsorglichkeit nicht, dies macht den Betroffenen dann noch passiver und gibt ihnen das Gefühl ausgeliefert und völlig inkompetent zu sein.

Angehörige brauchen eigene Energiereserven

und dürfen sich nicht für die Krankheit vollständig  verausgaben. Das hilft nämlich weder Ihnen noch dem Erkrankten. Vermeiden Sie die Aufforderung „sich zusammenzunehmen“  damit helfen Sie dem Betroffenen nur sehr begrenzt und auch eine gespielte Fröhlichkeitist ebenso wenig geeignet,  das Kostet Sie nur Kraft und verzehrt Ihre eigenen Energiereserven.

Gibt man Ihnen die Empfehlung nicht zu „jammern“ und Sie tun es dennoch, ist es am Besten wenn Ihr Partner darauf nicht eingeht und keine Ursachenforschung betreibt. Bestätigung für Ihre Bemühungen und für kleine Fortschritte kann Ihnen Ihr Partner selbstverständlich geben.  Auch eine Unterstützung beim morgentlichen  aufstehen (und nicht im Bett liegenbleiben) können Ihre Angehörigen Sie unterstützen, ebenso das Sie am Abend nicht zu früh zu Bett gehen und tagsüber Aktivitäten planen.

Ganz wichtig ist es, dass Ihr Partner weiterhin  seine eigenen Hobbys und Kontakte weiterpflegt – nur dann hat er noch übrige Energien für Sie und Ihre Depression.

Sad Couple Sitting On Couch After Having Quarrel
Sad Couple Sitting On Couch After Having Quarrel

Hier zur Verdeutlichung ein Angehörigen-Beispiel:

Im Rahmen einer Partnersitzung sitzt Frau S. mit Tränen in den Augen  zusasmmen mit ihrem depressiven Ehemann bei einem Psychologemn im Therapieraum. Sie klagt:“ Ich kann nicht mehr,. Seit Monaten versuche ich meinem Mann aus dieser Depression herauszuhelfen. Ich nehme im alles ab, nur damit er sich hinlegen und ausruhen kann. Ich höre mir mehrmals täglich sdeine Sorgen an, tröste ihn, rede ihm gut zu , mache ihm Vorschläger, aber nichts nimmt er an. Im Gegenteil, wenn ich mal nicht so intensiv auf ihn eingehe, dann gibt er mir auch noch die Schuld an seinem Zustand. Eigentlich wird alles nur noch schlimmer.Ich bekomme keinerlei Anerkennung oder Zuwendung mehr von ihm. Unsere Freunde ziehen sich auch allmählich zurück. Ich habe auch schon das Gefühl krank zu sein. Er übertreibt kleine Alltagssorgen. Unsere kleine Tochter ist auch schon ganz beunruhigt.. Ich kann so nicht mehr weitermachen, ich habe keine Kraft mehr!“

Damit es bei Ihnen und Ihren Angehörigen nicht so weit kommt, sollen Ihnen folgende positive Empfehlungen  helfen. Ihre Angehörigen auch in der Depression als mliebevoll und hilfreich – statt ärgerlich und hilflos – zu erleben:

20 Empfehlungen für einen positiven Umgang mit Bezugspersonen

1. Werden Sie zum Experten für die Depression und lehren Sie   Ihre   Umgebung mit folgenden positiven Empfehlungen. wie Sie am schnellsten gesund werden können.

2. Erzählen Sie von Ihrer Depression das erleichtert. Geheimhaltung würde Sie nur unnötig unter Druck setzen und Ihnen Schuldgefühle machen. Aber sprechen Sie möglichst nicht häufiger als 1x in der Woche davon, es sei denn, Sie benötigen  akute Hilfe.

 3.Sagen Sie, dass die Depression eine Krankheit ist, für die es Hilfe gibt und die in der Regel auch wieder vorüber geht.

4. Entbinden Sie Ihren Partner von der Therapeutenrolle. Er hat es erstens nicht gelernt, und selbst wenn, hat er nicht die notwendige professionelle Distanz zu Ihnen. Er isr emotional viel zu sehr mit Ihnen verbunden, um die Lage objektiv beurteilen zu können.

5. Entlasten Sie sich und Ihre Umgebung, indem Sie versichern, dass Sie professionelle Hilfe beanspruchen. Ihre Bezugspersonen sind dann sehr viel eher in der Lage , asuf der persönlichen Ebene zu Ihnen zu stehen.

 6. Bitten Sie Ihre Umgebung, sich zu informieren, insbesondere auch über Ihre Form und Heilungsmöglichkeiten der Depression. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, werden Sie selbst zum Experten.

 7. Informieren Sie Ihre Umgebung, dass Ihnen Weinen guttut. Wenn Sie wieder weinen und sich so richtig „ausweinen“ können, sind Sie meist auf dem Wege der Besserung. Es tut dann oft einfach gut, in den Arm genommen zu werden. Sagen Sie aber, was Ihnen in diesem Moment am liebsten ist.

8. Machen Sie Vorschläge für gemeinsame Aktivitäten (oder falls es Ihnen gar nicht möglich sein sollte, bitten Sie Ihre Umgebung Vorschläge zu machen.

 9. Nehmen Sie Vorschläge an oder teilen Sie Aktivitäten in kleine Schritte ein – entsprechend Ihrem momentan Energieniveau. Durch die Umsetzung von ausgewählten Vorschlägen Ihrer Umgebung geben Sie ein positives Feedback, dass die Bemühungen um Sie lohnend waren. Sie erhalten sich Dadurch auch weiterhin soziale Unterstützung.

10. Verschieben Sie gemeinsame Großprojekte und lebenswichtige Entscheidungen auf die Zeit nach der depressiven Phase, wenn Sie wieder mehr Energie haben. Oder warten Sie nach der ersten Medikamenteneinnahme etwa vier Wochen ab, bis das Antidepressivum wirkt.

11. Nehmen Sie Lob und Anerkennung an, wenigstens durch ein „Danke, das freut mich“ oder „Dein Lob tut mir gut“. Auch wenn ndas Lob Ihren Widerspruch hervorrufen sollte, behalten Sie ihn für sich. Denn Lob-Abwehr oder Abwertungen schadet den Beziehungen.

12. Suchen Sie Lösungen, aber keine Schuld bei sich oder anderen. Eine Person oder ein Ereignis ist meist nicht die alleinige Ursache.

13. Achten Sie auf Selbstfürsorge und lehnen Sie übervorsorgliches Verhalten Ihrer Umgebung ab.Das Passiert meist dann, wenn Sie zuviel gejammert haben und dadurch z.B. Ihr Partner das Gefühl bekommt, Sie „retten“ zu müssen. Dabei würde er aber nur selbst ausbrennen.

14. Geben Sie dem Partner keine Schuld, denn für eine Depression gibt es selten nur einen einzigen Auslöser oder Schuldigen, höchstens den sogenannten „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“.

15. Pflegen Sie Ihre sozialen Bindungen. Auch wenn es noch so scherfällt, rufen Sie an, verabreden Sie sich planen Sie kleine Aktivitäten oder gehen Sie auf Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen ein.

16. Stecken Sie Ihre Umgebung mit positiven Äußerungen an, aber nicht mit Ihrer depressiven Stimmung. Das fällt natürlich jedem Depressiven besonders schwer. Aber: es nützt Ihnen und Ihrer Familie nichts , wenn alle traurig, hilflos und inaktiv werden. Machen Sie sich jeden Tag eine kleine Lob-Liste für sich und Ihren Partner (bzw. Ihre Kinder, Bezugspersonen und Freunde), die Sie im Laufe des Tages zu äußern versuchen. Dies ist ein besonders wichtiger Beitrag zur Erhaltung Ihres sozialen Netzes.

17. Testen und erweitern Sie Ihre Energiegrenzen, überwinden Sie sich so gut es geht und geben Sie nicht so schnell auf . Lustlosigkeitsgefühle lassen sich nicht überwinden, indem Sie inaktiv sind oder sich ins Bett legen.Im Gegenteil, das verstärkt meist nur den Grübel-Teufelskreis und verunsichert Ihre Umgebung. Mit jeder kleinen Aktivität und Initiative macht der Depressive auch seinen Partner (und seiner Umgebung) eine kleine Freude. Es ist auch ein Hoffnungsschimmer für Ihre Bezugspersonen, dass vielleicht bald auch wieder ein gesundes Leben möglich ist.

18. Jammern dürfen Sie gegenüber Ihrem Therapeuten, der kann damit umgehenund Ihnen aus dem „Jammertal“heraushelfen. Aber machen Sie Ihre Bezugspersonen nicht durch ständiges Jammern hilflos und ärgerlich. Sie brauchen jetzt besonders ihre Hilfe und Freundlichkeit, und Sie dürfen jetzt niemanden unnötig vergraulen.

19. Führen Sie ein Selbsthilfebuch und tragen Sie sich täglich rote Angehörigen-Erfolgspunkte ein, wenn es Ihnen gelungen ist, eine oder mehrere der genannten Empfehlungen umzusetzen.

20. Planen Sie gemeinsam Hilfe für den Notfall und  schreiben Sie die entsprechenden Telefonnummern auf. Wenn Angehörige Sorge haben sollten, Sie könnten sich etwas antun, so dürfen sich diese nicht scheuen. Sie zum Arzt oder in ein Krankenhaus zu fahren. Besprechen und planen Sie dies gemeinsam und rechtzeitig, damit es nicht nötig wird aufgrund Ihres möglichen Widerstandes die Polizei einzuschalten (was ansonsten im Falle einer akuten Selbstmord- oder Suizidgefährdung auch gegen den Widerstand des Patienten getan werden muss). Es ist für Sie wesentlich weniger belastend, wenn Sie -im Notfall- in der Begleitung wohlwollender Angehöriger freiwillig in einem Krankenhaus ankommen.

Falls Sie Medikamente verordnet bekommen haben, tun Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihren Angehörigen einen großen Gefallen, wenn Sie diese regelmäßig – nach Vorschrift des Arztes einnehmen. Informieren Sie auch darüber Ihren Partner. Machen Sie auf keinen Fall einen selbstständigen Absetzversuch, ohne diesen von Ihrem Arzt empfohlen bekommen zu haben. Bei unvorschriftsmäßigem Absetzen oder Reduzieren der Medikamente könnte es Ihnen – ohne Not – wieder schlechter gehen.

Gehen Sie nun mit Ihrem Partner oder ausgewählten Bezugspersonen die Liste positiver Empfehlungen gemeinsam durch und  ergänzen Sie diese durch Ihre eigenen Ideen.

Falls Sie eine Psychotherapie machen, legen Sie Wert darauf, dass die engsten Bezugspersonen – insbesondere Ihr Partner – einbezogen werden. Auch eine Paartherapie kann Ihnen helfen. „Unbestitten ist, dass Paartherapien nachweislich zu einem geringeren Rückfallrisiko beitragen können“.

Jammern und Grübelverhalten sind oft ein Bestandteil von Depressionen und wirken häufig auf Außenstehende wie eine schlechte depressionsverstärkende Angewohnheit. Tatsächlich können Grübeln und Jammern auch zur Gewohnheit werden.

Das Jammern verstärkt die Grübelneigung und umgekehrt. Je seltener Sie beides tun, desto schneller können Sie Ihre Depression überwinden.

Deshalb ist es sinnvoll, das Jammern und Grübeln einzugrenzen und ihnen einen festen Rahmen zu geben. Dies geschieht durch folgende Übung, bei der eine begrenzte Zeit – allein im  Raum – laut gejammert und gegrübelt werden darf.

Suchen Sie sich einen ungestörten Raum und stellen Sie einen unbequemen Stuhl, einen sogenannten Jammer- und Grübelstuhl, auf.

Legen Sie dann eine bestimmte Tageszeit fest (z.B. jeden Nachmittag zwischen 17 und 17.15 Uhr), in der Sie sich auf den Grübelstuhl setzen und – allein im Raum – laut jammern dürfen. Stellen Sie sich einen Kurzzeitwecker auf maximal 15 Minuten. Wenn Ihr Wecker läutet, stehen Sie sofort auf und wenden Sie sich einer anderen Tätigkeit zu.

Nach vier Wochen machen Sie siese Übung nur noch jeden dritten Tag, nach sechs Wochen nur noch einmal wöchentlich. Wenn das Jammer- und Grübelbedürfnis durch diese Übung langsam nachlässt, können Sie sich mit der Bedeutung Ihres Jammerns beschäftigen.Das Jammern kann zum Beispiel folgende Funktionen und Bedeutungen haben:

Entlastungsfunktion: Ich will mich entlasten, indem ich einem anderen mein Leid erzähle.

Zuwendungsfunktion: Ich muss den anderen immer wieder erzählen, wie schlecht es mir geht, damit mir geglaubt wird, damit ich verstanden werde oder Zuwendung bekomme.

Lautes Denken: Die negativen Gedankenin meinem Kopf, die eigentlich nur Gedanken sind und keine Mitteilungen, spreche ich aus – ohne zu überlegen, wie es dem anderen damit geht.

Schlechte Angewohnheit: Ohne dass ich es wirklich will oder mir überlegt habe, gebe ich dem Jammer-Automatismus nach.

Hilfsapell: Mir geht es so schlecht, dass andere mich unterstützen müssen.

Wenn Sie eine für Sie zutreffende Funktion entdeckt haben, dann schreiben Sie die alternativen Lösungen auf (tz.B.: Ich sage meinem Mann, dass ich häufiger in den Arm genommen werden möchte“ – statt zu jammern, um Zuwendung zu bekommen).

Es ist auch hilfreich für Sie, die Signalfunktion der Depression auf gesellschaftlicher Ebene zu berücksichtigen. Der Soziologe Alain Ehrenberg bezeichnet in seinem Buch „Das erschöpfte Selbst“ die Depression als Krankheit unserer Zeit und das Ergebnis der zunehmenden Individualisierung und Auflösung von Bindungen. „Sie ist eine Krankheit der Verantwortlichkeit, in der ein Gefühl der Minderwertigkeit vorherrscht. Der Depressive ist nicht voll auf der Höhe, er ist erschöpft von der Anstrengung, er selbst werden zu müssen“. Ehrenberg betrachtet die Depression auch als Kehrseite einer kapitalistischen Gesellschaft, welche den Menschen zu einer „Produktivkraft“ macht und bis zur Erschöpfung fordert. „Die Depression erinnert sehr konkret daran, dass sich selbst zu besitzen nicht gleichbedeutend ist mit grenzenlosen Möglichkeiten. Weil sie uns anhält, erinnert und die Depression daran, dass man das Menschliche nicht hinter sich lässt und als weiteren positiven Ausblick: „Die Depression ist das Geländer des führungslosen Menschen, sie ist nicht nur sein Elend, sondern das Gegenstück zur Erfaltung seiner Energie“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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