Nie mehr weiche Knie

Bei Höhenangst geben Kurse in den Bergen Betroffenen Sicherheit.
 
Die Angst am Berg kommt oft nach und nach. Von Tour zu Tour schleicht sie sich mehr ein. Sie reicht vom einfachen Unbehagen bei steileren Passagen bis hin zur Panik, die die betroffene Person absolut behindert.
 
Der Grund für diese Entwicklung hat der Bergwanderführer und Sportmentaltrainer Achim Haug aus Bad Feilnbach bei zahlreichen Freizeitsportlern beobachtet: Eine Vielzahl der Wanderer bewegt sich vorzugsweise in einer Komfortzone. Sie vermeiden es, ihre persönlichen Grenzen zu überschreiten.
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Die persönliche Komfortzone verlassen
 
Hinter den Grenzen – auf einem steil abfallenden Pfad oder einer weglosen Felspassage – lauert sie dann: die Höhenangst. Ab und zu sinkt das persönliche Limit aber selbstverständlich auch durch eine bestimmte Lebenssituation. “ Wenn ich sehe, wie mein Nachwuchs über den Fels kraxeln, stockt mir der Atem. Ich fürchte, dass sie abstürzen „, sagt Carlota Napuri-Brandt, die mit ihren Angehörigen oft anspruchsvollere Touren unternimmt.
Doch die Höhenangst vermiest der 46-jährigen Krankenpflegerin aus München das Gipfelglück. Das will sie ändern. Gemeinsam mit Brigitte Hildebrandt und Rosemarie Jung ( Namen sind verändert ), die sich in einer vergleichbaren Situation befinden, wird sich Carlota Napuri-Brandt ihrer Angst stellen. An einem schönen Sommertag zu Anfang Juli bricht die kleine Gruppe von Spitzingsee ( Oberbayern ) zum Brecherspitz auf. Mit dabei: Achim Haug. Er offeriert Kurse für Leute mit Höhenangst, durchgeführt mit ihnen auf speziellen Touren in den bayerischen Voralpen um Ihnen in zwei bis vier Tagen mentale und motorische Techniken, die Sicherheit und Schutz zu vermitteln. Heute wird er mit Carlota Napuri-Brandt den 1683 Meter hohen Berg besteigen und sie dabei unterweisen, wie sie ihre Angstschwelle bewusst übertreten kann: an einer unkomplizierten, klettersteigähnlichen Passage, der die drei Damen nun bei einer flirrenden Hitze mit gemischten Gefühlen entgegenwandern. Im Allgemeinen sind Achim Haugs Schützlinge bergerfahren, leiden aber unter Angstsymptomen wie Höhenschwindel und Muskelkrämpfen. “ Dies baut einen großen Leidensdruck auf und verstärkt mehr und mehr die Angstgefühle „, sagt der Seminarlehrer. Brigitte Hildebrandt, Rosemarie Jung und Carlota Napuri-Brandt überspielen ihre Anspannung vor der Schlüsselstelle mit Flachsen. Nach einer anderthalbstündigen Besteigung erreichen sie die Kuppe, von der aus sie etwa 150 Meter weglos über Felsblöcke steil bergab in eine Mulde absteigen müssen. Auf der Stützseite führt ein Grat nach oben. Rechts und links fällt der Blick in die Tiefe.
Carlota Napuri-Brandt hält die Anspannung nicht länger aus, sie will sich als erste hinunterwagen. Als sie mit der rechten Hand ans Drahtseil fasst, hält sie sich spontan die linke vor die Augen. Ein Schwindelgefühl tobt in ihrem Kopf. “ Lass Dir Zeit, Carlota. Ganz ruhig atmen. Such Dir einen Fixpunkt. Und beim nächsten Schritt über die ganze Fußsohle fest auftreten, damit Du nicht ins rutschen kommst“, sagt Achim Haug. Eine vorwärts verlagerte Haltung und die richtige Gehtechnik helfen die Trittsicherheit, die in dieser Situation absolut wichtig ist. “ Das setzt der psychologischen Unsicherheit eine körperliche und motorische Stabilität entgegen „, erklärt Margarete Röd, Fachärztin für Psychosomatische Gesundheitslehre und Psychotherapie aus Utting am Ammersee.

Mit Entspannungstechniken Mut finden
Die Gründe für die Angst vorm Fallen sind sehr vielfältig. Oft spielt eine ängstliche Grundhaltung – bedingt etwa durch überfürsorgliche Eltern in der  Kindheit – eine ursächliche Rolle. “ Aber selbstverständlich auch die ganz persönliche Konstitution ist entscheidend dafür, wie zugänglich man für Ängste ist „, sagt Margarete Röd, die gemeinsam mit einer Tourenleiterin auch Kurse gegen die Höhenangst gibt. Das bedeutet: Auch Alltagsstress oder der Druck, den ein wanderbegeisterter Partner ausübt, kann Höhenangst verursachen. In Kursen legt man aus diesem Grund besonders  großen Wert darauf, Ruhe aufzubauen. Mit Atemübungen lernen Betroffene, bewusst zu relaxen und sich auf den Augenblick zu fokussieren. “ So gelingt es uns, mit zahlreichen Kraftreserven über diffiziele Stellen zu gehen „, sagt Achim Haug.
 
An dieser Stelle steht nun auch Carlota. Sie atmet tief durch, nimmt all ihren Mut zusammen und geht los. Der Bergwanderführer beobachtet jede ihrer Bewegungen genau. Allmählig und konzentriert findet die Peruanerin ihren Weg. Ganz langsam, Schritt für Schritt. Erleichtert steht sie dann am Fuß des mächtigen Felsblocks und winkt nach oben. “ Los, kommt herunter. Es sieht viel schwerer aus, als es ist. „ Carlota ist nun sehr zuversichtlich: “ Bei unsrer kommenden Tour am Watzmann kriege ich bestimmt nicht schon auf der Hütte wieder weiche Knie.“

So entspannen Sie richtig

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