Hinweise für Angehörige und Freunde

In den letzten 20 Jahren wurde die Wechselwirkung von Depressiven mit ihren Ehepartnern genau analysiert. Es zeigte sich Hoffnungslosigkeit beim Partner, die widersprüchliche Emotionen auslösen wie z.B. Ärger und Selbstvorwürfe zur gleichen Zeit. Der Partner versucht in gutem Vorsatz seine feindseligen Emotionen zu stoppen und an dessen Stelle den Depressiven zu unterstützen und zu trösten. Der spürt allerdings die Widersprüchlichhkeit, fühlt sich nicht geliebt und sendet verstärkt depressive Signale aus, um Zuneigungsbeweise zu bekommen. So ergibt sich eine “ depressive Spirale “ mit gegenseitiger Konstanz. Diese Spirale gilt es zu unterbrechen.

Weiterhin  suboptimale Verhaltensweisen von Angehörigen vermögen auch den Heilungsprozess negativ zu beeinträchtigen wie folgendes Patientenbeispiel zeigt:

Herr W. ist ein sehr motivierter Kranker, der sich in der Psychotherapie schrittweise zum Positiven verändert hat. Nach einem dreiviertel Jahr Arbeitsunfähigkeit arbeitet er nun wieder regelmäßig, ist  allerdings am Abend und am Wochenende erwartungsgemäß erschöpfter als dereinst. Dies hängt ebenso  mit den Nachwirkungen seiner schwerwiegenden Depression, wie auch mit der etwas dämpfenden Wirkung der Arzneimittel zusammen. Er liebt seine Frau und probiert sein Bestes zu geben. Seine 10 Jahre jüngere, sehr energievolle Frau ist in seinen Augen in der  Rolle der unersättlichen “ Fischers Fru “ aus dem Märchen der Brüder Grimm gerutscht. Ihre dauerhaften Vorwürfe, dass er nicht noch mehr mit ihr unternimmt und das Liebesleben maximal nur noch einmal im Monat stattfindet, belasten ihn sehr. Herr W. ist bestrebt sich hin und wieder aufzuraffen. Er geht mit seiner Frau ins Theater, fährt den Nachwuchs zum Sport, hat eine Vereinbarung getroffen für jeweils eine gemeinschaftliche Unternehmung am Wochenende, aber seine Frau kann sich nicht wirklich über diesen Fortschritt freuen. Er wagt sich kaum noch sie körperlich zu berühren aus Angst vor sexuellem Misserfolg. Nach der Umsetzung unterschiedlicher Partnersitzungen wurde deutlich, dass die Ehegattin völlig  ausgepowert war und gehofft hatte, ihr Mann könne ihr nun alles wiedergeben, was sie ihm – in der Depression – an Unterstützung gegeben hatte. Nach einer nochmaligen genauen Aufklärung über die depressive Krankheit war die Ehefeau nach und nach wieder in der Lage war die Situation richtig  einzuschätzen und ihren Mann zu unterstützen.

Was Angehörige für sich selber tun können

  • Viel Bewegung und Sport an frischer Luft
  • Gespräche über die Depression beschränken
  • Das Lebenstempo verringern
  • Mit guten Freunden und Bekannte reden und Unterstützungsmöglichkeiten suchen
  • Emotionen ansprechen
  • Großprojekte auf die Zeit nach der Erkrankung verschieben
  • Ermutigen Sie Ihren depressiven Partner oder Ihren Freund/Freundin, das wird allen Beteiligten guttun.
  • Ermutigen Sie ihn, einen Teil der wesentlichsten Tätigkeiten –  so gut es möglich ist – zu behalten.
  • Legen Sie großen Wert darauf, dass die Kinder nach wie vor genügend Spiel und Aufmerksamkeit  erhalten.Eventuell vermögen Freunde mit Kleinkindern, Großeltern oder weitere Familienmitglieder etwas dazu beitragen.
  • Machen Sie gemeinsame Radausflüge, Ausflüge, Unternehmungen   auch dann, wenn  Ihr Partner eventuell eine traurige Miene hat. Tapetenwechsel tut fast immer gut.
  • Holen Sie Ihre Freundin/Ihren Freund nach wie vor zum Sport ab, auch dann, wenn sie / er derzeit vielleicht wenig spricht und etwas gedämpft wirkt.
  • Wenn der Kranke bis dato ein Bewegungsmuffel war, dann suchen Sie zur Förderung einen Bewegungs- oder Physiotherapeuten auf , aber: keine Körpermassage, stattdessen aktive Bewegung
  • Eine Laufgruppe oder buchen Sie zusammen einen Gymnastikkurs an der Volkshochschule.
  • Fragen Sie nicht “ Wie geht es Dir „, denn der Depressive kann meist nur “ schlecht “ antworten oder er probiert, Sie durch ein falsches gut “ zu besänftigen. Das Eine und auch das Andere ist weder für Sie noch für ihn nützlich. Fragen Sie eher nach einem präzisen Ereignis.
  • Probieren Sie – so weit es eben möglich -, Ihr persönliches gewohntes Leben weiterzuführen. Opfern Sie nicht Ihre anderen Kontakte und Interessen der Erkrankung, wobei eine bestimmte Beschränkung gewiss kurzzeitig erforderlich sein kann.

Verdeutlichen Sie Ihren Kindern – gegebenenfalls nur -, dass Mama oder Papa gerade erschöpft sind und sich nicht so wohl fühlen, dass das aber nichts mit ihnen zu tun hat und das die Erschöpfung auch wieder vorübergeht. Für Kinder seelisch kranker Eltern findet man außerdem einige psychoredukative Bilderbücher, die Sie |allerdings zuvor genau kontrollieren sollten, ob sie in Ihrer Situation passen. Sie könne auch einfach nur Teile entnehmen oder sie als Inspiration für Ihre persönlichen Erklärungen annehmen.

Üben Sie sich in “ antidepressiver Verständigung „. Sprechen| Sie regelmäßig miteinander oder hören Sie sich wechselweise zu. Drücken Sie auf Ihre persönlichen – durch die Depression ausgelösten – Gefühle ehrlich und in Ich-Form aus. Verstellen Sie sich nicht. Dadurch kann am ehesten ein gemeinsamer Weg gefunden werden.

So entspannen Sie richtig

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